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  • AutorenbildBozena Badura

Meine Lieblingsdebütromane 2023

Aktualisiert: 6. Feb.

Seit 8 Jahren richte ich im Rahmen des Projektes "Das Debüt" den "Blogger:innenPreis für Literatur. Das Debüt des Jahres" aus. Die Shortlist für "Das Debüt 2023" steht bereits fest.

Hier könnt ihr meine ganz subjektive Meinung zu den Büchern erfahren. Eine ausführliche Begründung findet ihr auf dem Literaturblog dasdebuet.com


Hier geht es zu dem Video auf YouTube:




Doch außerhalb der Shortlist haben mir auch noch einige weitere Debütromane sehr gut gefallen. Diese möchte ich hier kurz vorstellen:




Sabine Gelsing - Entzwei (Ulrike Helmer Verlag)


Eine auf wahrer Begebenheit beruhende Geschichte über zwei Zwillingsschwestern, die direkt nach der Geburt getrennt wurden und erst im hohen Alten voneinander erfahren haben. Helene wuchs idyllisch bei ihrem Vater und ihrer Großmutter auf einem Apfelhof auf, während Alma in einem Kinderheim die Härte des Lebens erfahren musste. Sabine Gelsing schafft es in ihrem Roman, die unterschiedliche Lebensgeschichte der beiden Schwestern sehr bildhaft zu erzählen, und beschreibt sehr einfühlsam den Versuch der beiden Schwestern, trotz der erfahrenen Abweisung einen Weg zueinander zu finden. Dabei erzählt der Roman nicht nur davon, dass manchmal ein purer Zufall den Lauf unseres Lebens unumkehrbar bestimmen kann, sondern auch davon, wie man mit der erfahrenen Ungerechtigkeit umgehen und aus dem womöglich nicht einfachen Leben dennoch das Beste rausholen kann.


Dana Vowinckel "Gewässer im Ziplock" (suhrkamp nova)


Die fünfzehnjährige Margarita sollte ihren Sommer schon traditionell bei ihren Großeltern in Chicago verbringen. Doch plötzlich meldet sich ihre seit vielen Jahren in ihrem Leben abwesende Mutter und lädt sie spontan für den Rest der Sommerferien nach Jerusalem ein, wo sie als Wissenschaftlerin einige Monate verbringen sollte. Dieser Einladung geht die Protagonistin nach. Doch als die Großmutter ins Krankenhaus musst, kommt es zu einer ungeplanten Familienzusammenkunft und alle treffen in Chicago aufeinander. Der Roman behandelt allerdings nicht nur eine komplizierte Familiengeschichte und die Identitätssuche einer heranwachsenden Frau, sondern vor allem verschiedene Aspekte des jüdischen Lebens und der jüdischen Geschichte. Dabei wird nicht nur das Leben der Juden in einer deutschen Mehrheitsgesellschaft thematisiert, sondern auch innerjüdische Herausforderungen der modernen Gesellschaft, wie z.B. die matrilineare Abstammung.


Dirk Gieselmann "Der Inselmann" (Kiepenheuer & Witsch)


Der noch kleine Hans siedelt mit seinen Eltern auf eine kleine Insel inmitten eines Sees um, wo diese eine kleine Schafsherde züchten. Durch die Schulpflicht wird er jedoch bald gezwungen, in die Gesellschaft zurückzukehren, und scheitert von Anfang an an ihr, bis er in eine Besserungsanstalt eingewiesen und somit aus der Gesellschaft ausgestoßen wird. Mit dem Ende der Schulpflicht erlangt er seine Freiheit und versucht zunächst, sein Leben in geregelte Bahnen zu lenken. Doch nach einigen gescheiterten Versuchen kehrt er auf die Insel zurück, wo sein Vater bereits verstorben und seine Mutter lebensunfähig geworden ist. Es ist eine Adaptation des Märchens "Hans im Glück", der zwar immer weniger im Leben besitzt, jedoch sein Glück in der Verbundenheit mit der Natur findet. Dieser Roman lässt sich zwar der Kategorie "Aussteigerroman" zuordnen, dennoch ist er vielmehr als eine Sehnsucht nach und eine Rückkehr zu dem einfachen Leben im Einklang mit der Natur. Er ist auch ein leises Versprechen, dass man das wahre Glück nur in der Stille der Natur und ohne die Errungenschaften der modernen Welt erreichen kann.


Lisa Roy "Keine gute Geschichte" (Rowohlt Verlag)


Die Protagonistin Arielle Freitag wuchs unter prekären Umständen in Essener Norden auf. Ihre Mutter verschwand als sie noch klein war, der Namen des Vaters lernte sie nie kennen. Großgezogen wurde sie von der eigenwilligen Großmutter. Trotz der schwierigen Ausgangslage ist es Arielle gelungen, eine erfolgreiche berufliche Laufbahn aufzubauen. Nun kehrt sie in ihre Heimatstadt zurück und wird mit ihrer Kindheit konfrontiert und beginnt das Verschwinden der eigenen Mutter zu erforschen. Der Titel ist dabei eindeutig irreführend, denn es ist eine gute Geschichte, auch wenn es darin um keine guten Dinge geht. Es ist ein Roman über die Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensgeschichte und über die Suche nach der eigenen Identität. Aber auch die Frage danach, wie die eigene, nicht nur familiäre, sondern auch die soziale Herkunft das Leben jedes Einzelnen bedingt.


Irina Kilimnik "Sommer in Odessa" (Kein&Aber Verlag)


Eine humorvolle Familiengeschichte, in deren Zentrum Olga steht. Die Medizinstudentin ist hauptsächlich unter Frauen großgeworden, die allesamt von dem despotischen und meist schlecht gelaunten Großvater regiert werden. Eines Tages kommt der nun seit vielen Jahren in den USA lebende und ehemals beste Freund des Großvaters zu Besuch. Der Großvater entgegnet dem Gast mit viel Misstrauen und nach einiger Zeit wird es Olga klar: Es gibt ein Familiengeheimnis, das sie nun herausfinden möchte. Obwohl sich der Roman mit viel Leichtigkeit lesen lässt, thematisiert es einige Diskurse, die in der heutigen Gesellschaft verhandelt werden. Zum einem geht es darin um die patriarchalische Gesellschaft und die anerzogene Unterwürfigkeit der Frauen. Zum anderen wird am Beispiel der weiblichen Figuren die Frage gestellt, in wieweit ist unser Leben wirklich selbstbestimmt. So ist der Roman eine Suche nach den Wegen aus der Fremdbestimmung, ein Versuch das Leben eigenständig zu gestalten.


Hier geht es zu einem Video mit der Vorstellung der Debütromane auf YouTube:



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